Neben dem Salvatorausschank am Nockherberg gibt es einige weitere Starkbierfeste in München.
Bayern, insbesondere München, hat einen ganz besonders charmanten Umgang mit der vorösterlichen Fastenzeit. Anstatt sie als schwarzes Loch zu begreifen, das sich zwischen dem Fasching und Ostern im Veranstaltungskalender unangenehm breitmacht, greift der Bayer lieber die Chance auf, das Ausgelassenheitspotenzial, das das höherprozentige Fastenbier bietet, und findet die Zeit des Gedächtnisses an die Leiden Christi auf einer Bierbank sitzend gar nicht mehr so fad, wie es sein könnte. Dass der Starkbierhedonismus auch noch mit klösterlicher Brautradition verklärt wird, war in der Vergangenheit durchaus Anlass zu kirchlicher Kritik.
Aufs Bier reduziert, scheint die kleine Starkbierfest-Renaissance, die München derzeit erlebt, etwas aus der Zeit gefallen. Derzeit sind es schließlich eher leichtere, helle Biere, ja gar alkoholfreie, die dem schwächelnden Biermarkt ein klein wenig Hoffnung geben, und keine dunklen Doppelböcke. Das Bierzelterlebnis jedoch steht weiterhin hoch im Kurs, was auch das Thema Starkbier mit neuen Veranstaltungen und größerem Andrang belebt.
Wir möchten unseren Lesern deshalb einen Einblick in die Starkbierzeit in und um München geben, samt einer kleinen Einordnung.
Salvatorausschank am Nockherberg: Das original Starkbierfest
Öffnungszeiten
6. bis 29. März 2026, 16–22:30 Uhr unter der Woche, 11–16 Uhr und 16:30–22:30 Uhr am Wochenende.Eintritt
3,60 €Reservierungen
Ab 195 € für zehn Personen inklusive zehn BierzeichenInternetseite
https://paulaner-nockherberg.com/starkbierfest/Sitzplätze innen
3000Sitzplätze außen
3000Das Starkbierfest am Nockherberg ist das einzige überregional bekannte Starkbierfest. Allerdings kennen die meisten Auswärtigen den Nockherberg eigentlich nur von der Salvatorprobe, dem Politerderblecken zwei Tage vor Beginn des Salvatorausschanks. Die Probe, im Wesentlichen aus Fastenrede und Singspiel bestehend, ist eine von der Paulanergruppe organisierte und vom Bayerischen Rundfunk ausgestrahlte Politsatireveranstaltung, die regelmäßig eine der zuschauerstärksten Fernsehsendungen in Bayern ist.
Gemein hat sie mit dem darauffolgenden Ausschank, der den meisten nur als Starkbierfest ein Begriff ist, lediglich den wenig ansehnlichen Veranstaltungsort gemein. Mit seiner Bierzeltbestuhlung und rund 3000 Plätzen sowie weiteren 3000 im Biergarten ähnelt das original Starkbierfest am ehesten einem Wiesnzelt. Wurde bislang immerhin etwas Blasmusik gespielt, könnte damit 2026 Schluss sein. Erstmals kommt nämlich die Partyband Südherz, bekannt aus der Schottenhamel-Festhalle, zum Einsatz.
Leider ist auch für den Biergarten der Eintrittspreis zu entrichten und im Festsaal selber ist jeder einzelne Platz reservierbar. Aufgrund des in den letzten Jahren wieder gestiegenen Andrangs ist ein Besuch ohne Reservierung abgesehen von Sonntag bis Dienstag kaum empfehlenswert. Am Montag und Dienstag wird der Saal übrigens in verkleinerter Form geöffnet.
Erfreulich ist, dass der Salvator in Steinkrügen zum Ausschank kommt. Unerfreulich ist jedoch die berühmt schlechte Schankmoral.
Alles in allem sollte sich jeder Starkbierneugierige den Salvatorausschank einmal angeschaut haben. Trotz der langen und bedeutenden Geschichte hat die Veranstaltung jedoch leider erstaunlich wenig eigenen Charakter. Dass sie in einer zeitgenössischen Mehrzweckhalle abgehalten wird und der hintere Teil der Tische auf einer Tribüne steht, tut ihr Übriges.
Starkbierfest im Löwenbräukeller
Öffnungszeiten
20. Februar bis 21. März 2026, Do.-Sa., ab 18 UhrEintritt
5 €Reservierungen
Ab 340 € für zehn Personen inklusive MenüInternetseite
https://loewenbraeukeller.com/de/starkbierfest.htmlSitzplätze innen
2000
Vor vielen Monden, als Löwenbräu seinem Namen noch gerecht wurde und tatsächlich als echte Brauerei fungierte, war der Stiglmaierplatz tatsächlich einmal eine ernstzunehmende Konkurrenz zum Nockherberg. Die damals größte Brauerei Münchens wollte es nämlich nicht akzeptieren, dass Paulaner allein mit seiner Salvatorprobe großzügig mit Medienaufmerksamkeit bedacht wurde.
So begann die Brauerei in deutlich größerem Rahmen, Prominente, Geschäftspartner und Politiker zu ihrer Triumphatorprobe einzuladen. Am Zenit 1981, mit dem Ministerpräsidenten im Publikum und dem für seine Darbietung als Bierkutscher gefeierten Kabarettisten Gerhard Polt auf der Bühne, wurde diese von der Presse sogar der Salvatorprobe gegenüber höherwertig wahrgenommen. Doch schon im Jahr darauf kamen sich Polt und die CSU in die Haare, und Brauereierbe August von Finck drehte den Geldhahn zu und läutete den Abstieg der Brauerei ein.
Einen Starkbieranstich als Karabettveranstaltung gab es zwar später auch noch einmal, zuletzt mit Christian Springer als Redner, doch wurde er nach dem Wirtewechsel von Schottenhamel zu Reinbold 2019 abgesagt und später nicht wiederbelebt. Geblieben ist das Starkbierfest, das der Autor dieser Zeilen damals tatsächlich als Bestes in München bezeichnete, dank stimmungsvoller Beschallung durch Walter Bankhammers Niederalmer, die dort deutlich mehr Blasmusik zum Besten gaben als im Schützenzelt üblich, sowie dem Einsatz von Stühlen statt Bierbänken.
Nach einem erneuten Veranstalterwechsel werden im schönen Festsaal inzwischen Bierbänke aufgestellt und auf eine vollwertige Festkapelle verzichtet. Kurioserweise gibt es zur Saalöffnung um 18 Uhr übrigens gar kein Starkbier, sondern erst nach dem zeremoniellen Anzapfen um 19 Uhr.
Wie am Nockherberg werden auch im Löwenbräukeller theoretisch alle Plätze reserviert. Aufgrund des geringeren Andrangs und der unverschämten Reservierungsbedingungen, die die Abnahme eines unpraktischen Menüs vorschreiben, bleiben in der Regel Plätze frei, wodurch sich ein spontaner Besuch häufiger lohnt als beim großen Bruder in der Au. Außerdem befindet sich ein Stehausschank im Saal.
Starkbierfest im Augustinerkeller
Öffnungszeiten
27. Februar - 28. März, Do. – Sa. 19:00 UhrEintritt
10 €Reservierungen
Ab einer Person, ohne BedingungenInternetseite
https://www.augustinerkeller.de/Sitzplätze innen
600 im Festsaal, 300 im Lagerkeller
Dass Augustiner die Marke Maximator erst in den Wirtschaftswunderjahren einführte, soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Brauerei eigentlich sogar sehr früh im Starkbierspiel mitmischen wollte. 1835, nur sechs Jahre nach seiner Brauereiübernahme, verkaufte Anton Wagner das erste "Augustiner-Doppelbier" und legte sich damit sowohl mit Behörden als auch mit Salvatorbräu Zacherl an, der auf sein Starkbiermonopol pochte.
Ein Starkbierfest im Augustinerkeller gibt es allerdings tatsächlich erst seit den 1950ern. Entgegen dem Profil der Brauerei wird es leider auch nicht sonderlich traditionell durchgeführt, obwohl der Veranstaltungsort das passende Ambiente hergäbe. An allen Veranstaltungstagen spielt die Hauskapelle des Augustinerkellers, die Harthauser Musi im Lagerkeller. Im wie gewohnt äußerst eng bestuhlten Festsaal spielen an den Wochenenden gleichzeitig wechselnde Partybands. Die meisten davon sind wohlbekannt; es hat allerdings auch schon qualitative Ausreißer nach unten gegeben.
Generell ist zu erwarten, dass das Starkbierfest für alle Abende „ausverkauft“ ist. Pro Nase ist eine relativ teure Eintrittskarte zu erwerben. Die Tische werden erst vor Ort zugewiesen. Allerdings sind erfahrungsgemäß gerade zu späterer Stunde dennoch Plätze frei, die auch Spontanbesucher belegen können. Der Eintrittspreis wird dadurch relativiert, dass die Speisenkarte für die Starkbierfestabende nicht geändert wird und somit gewöhnliche Preise zu zahlen sind.
Giesinger Starkbierfest
Öffnungszeiten
19. Februar bis 15. März, Do.–Sa. 17–22:30 Uhr, Sa. und So. außerdem 11–16 UhrEintritt
An den ersten beiden Sonntagen 4 €, sonst 7 € inklusive Bus und GarderobeReservierungen
Im Mittelschiff mit 150 € Mindestverzehr für 10 Persoenn, in den Seitenschiffen mit MenüvorbestellungSitzplätze innen
1200
Das Giesinger Starkbierfests findet, wie könnte es bei dem Namen auch anders sein, im Nirgendwo eines Milbertshofener Gewerbegebiets statt. Dort hat die Brauerei nämlich 2020 ihr Werk 2, ihre seither wesentliche Produktionsstätte, bezogen. Trotz der wirklich nicht besonders vorteilhaften Anfahrtssituation, die die Brauerei sogar mit einem Sonderbus vom Frankfurter Ring aus lösen muss, hat das neueste Münchner Starkbierfest bei seiner Premiere 2025 gleich eingeschlagen und kehrt 2026 mit noch einmal mehr Terminen zurück.
Der Stadl, der im Brauereihof aufgestellt wird, bietet Platz für 1200 Personen und ist mit Bierbänken, in den Seitenschiffen mit massiven Holzbänken gestuhlt. Zwar dominieren auch in Milbertshofen Partybands das Geschehen, doch dürfen sich andere Veranstalter gerne abschauen, dass es 2026 immerhin an den Sonntagen auch Blasmusik gibt. Das Zelt ist an den Sonntagen allerdings lediglich bis 16 Uhr geöffnet. An den Samstagen spielt die Wex'l Partie bis 14 Uhr, bevor die Partyband übernimmt.
Im Allgemeinen rät die Brauerei vom Besuch ohne Reservierung ab – schlichtweg, weil es im Umfeld keine Alternative gibt, falls sich doch kein Platz findet. Die neuen Sonntagnachmittage werden nun aber auch ausdrücklich für Spontanbesucher beworben. Ansonsten sind Reservierungen im Mittelschiff unkompliziert: Zusätzlich zu den Gebühren muss lediglich ein 15-€-Gutschein pro Person abgenommen werden. Deutlich unschöner ist die Situation in den Seitenschiffen, wo ein unpraktisches Menü vorbestellt werden muss, anstatt à la carte bestellen zu können.
Starkbierfest im Hofbräukeller
Öffnungszeiten
27. und 28. Februar, 19-24 UhrEintritt
18,50 € samt einer Halben StarkbierReservierungen
Ab 74 € für vier Personen inklusive einer Halben Bier pro PersonSitzplätze innen
500Dass das Thema Fastenbier beim Hofbräu nur ein kleines Thema spielt, ist der Tatsache geschuldet, dass es die Brauerei ohne Starkbier gar nicht gäbe – damit ist jedoch der Maibock gemeint, der in München längst etabliert war, als der Schmedererbräu im 19. Jahrhundert begann, sich mit seinem Salvator in den Vordergrund und den Maibock allmählich in den Hintergrund zu stellen.
Zwar leistet sich die Staatsbrauerei weiterhin einen angesehenen Maibockanstich im Hofbräuhaus, der unter der Schirmherrschaft des Finanzministers und in Anwesenheit wesentlicher Teile der bayerischen Politprominenz überhaupt die einzige Politkabarettveranstaltung ist, die der Salvatorprobe das Wasser reichen kann, doch ist der einst so beliebte Maibockausschank für das Fußvolk inzwischen leider arg in Vergessenheit geraten.
Als in den Wirtschaftswunderjahren Starkbier mehr gefragt war als je, führte die Brauerei zudem mit dem Delicator Konkurrenz im eigenen Haus ein. In den 90ern verschwand dieser allerdings wieder – jedoch nur von den Münchner Speisekarten. Gebraut und exportiert wurde das Bier weiterhin. Erfreulicherweise kehrte das besonders starke dunkle Doppelbock 2024 wieder in seine Heimat zurück. Ein großes Starkbierfest fehlt jedoch weiterhin. Lediglich an zwei Abenden wird im recht überschaubaren Festsaal im Hofbäukeller mit gewohnter Partybandbeschallung gefeiert.
Dabei stünde ein echter Starkbierausschank im Hofbräuhaus am Platzl weiterhin auf unserer Wunschliste. Doch taugt dieses noch nicht einmal zur Verkostung des Maibocks und noch weniger des Delicators. Beide sind in der Regel nur kurzzeitig auf der Saisonkarte zu finden. Generell gibt das eigentliche Aushängeschild der Brauerei dieser Tage ein klägliches Bild ab. Für die Starkbierverkostung empfehlen wir deshalb den Hofbräukeller, auch abseits der beiden Festtage.
Starkbierfestl im Hirschgarten
Öffnungszeiten
27. Februar bis 15. März 2026, Freitags Wirtshausmusi ab 18 Uhr, 28. Februar VoiGams ab 19 Uhr, 7. März Tegernseer Tanzlmusi ab 19 Uhr, 8. März Roland Hefer & die Isarrider ab 18 Uhr, 14. März Beirer Blech ab 19 Uhr, 15. März Gigi Pfundmair und die 4 Hinterberger Musikanten ab 10:45 Uhr.Eintritt
Freitags frei, Beirer Blech und Gigi Pfundmair 10 €, VoiGams und Tegernseer Tanzlmusi 12 €, Roland Hefter 19 €,Reservierungen
Ab einer Person, ohne BedingungenInternetseite
https://hirschgarten.de/veranstaltungen/Sitzplätze innen
300Hirschgarten-Wirt Thomas Fesenmair hat es tatsächlich geschafft, einen eh schon allseits bekannten Biergarten noch zu verbessern und dabei sein Profil als traditioneller, vielleicht traditionellster Münchner Biergarten weiter zu schärfen. Zum altbekannten und sonst in München unbekannten Selberdenkrugzumschankkellnerbringen ist inzwischen deutlich mehr musikalische Unterhaltung gekommen, nicht zuletzt in Form von Veranstaltungen. Da darf ein Starkbierfest freilich nicht fehlen.
Anders als der Biergarten, der als größter der Welt gilt, leidet das Wirtshaus diesbezüglich jedoch an seinem Mangel eines großen Festsaals. Während die Wirtshausmusi die meiste Zeit in der recht kleinen Schwemm spielt, werden für die kostenpflichtigen Veranstaltungen zwei Räume, der Stadl und die Herzogstubn, zu einem Saal für ungefähr 300 Besucher verbunden. Ein Alleinstellungsmerkmal des Hirschgartens ist, dass mehrheitlich bairische Musik gespielt wird. Auch den Salvatorausschank aus dem Holzfaß erwähnen wir gerne lobend.
Der angesichts des Platzmangels verständliche recht hohe Eintrittspreis wird immerhin etwas durch die recht günstige Speisenkarte sowie den Bierpreis relativiert.
Weitere Starkbierauschänke
Der Haderner Bräu veranstaltet am 13. März einen Bockbieranstich. Dieser lässt sich nur mit einer Eintrittskarte für 54,50 € besuchen. Das ungewöhnliche Konzept bietet als Gegenleistung Live-Musik, eine Halbe Bockbier, ein Buffet und einen Brauereirundgang.
Wirklich nicht in München, aber dennoch eine Erwähnung wert, ist das Reutberger Josefifest. Schließlich gibt es selbst in München nur ein einziges Fest, das mehr Öffnungsstage am Stück bietet. 2026 findet das Fest der Reutberger Genossenschaftsbrauerei vom 15. bis 23. März in Sachenkam zwischen Holzkirchen und Bad Tölz statt. Das Programm wird erst noch veröffentlicht. Fest steht jedoch, dass der Montag Ruhetag, und der Mittwoch den Genossenschaftsmitgliedern vorbehalten ist.
Die Perlacher Forschungsbrauerei, die seit 2021 die Heimat von Hopfenhäcker ist, hat in den vergangenen Jahren einige Abende in der Fastenzeit, mit einer kleinen Wirtshausmusi angereichert, etwas großspurig als Starkbierfest beworben. Aufgrund des Wirtswechsels ist uns zur Fortführung 2026 noch nichts bekannt. Erwähnen möchten wir, dass der ausgeschänkte Valentinator trotz seines Namens kein dunkler, sondern überraschenderweise ein heller Bock ist.
Keine Informationen liegen uns auch zum Donisl vor. Dort wurden in der Vergangenheit einige Abende als Starkbierfest bezeichnet und mit einem Eintrittsgeld versehen, was bei uns bislang keine Begeisterungsstürme verursachte.
