Lieber traditionell oder ballermannesk? Unserer kleiner Bierzeltführer leitet sie durch den Wiesnzelt-Dschungel.
Auf der Wiesn gibt es ganze 14 große Bierzelte, drei weitere auf der Oidn Wiesn und zudem eine noch größere Anzahl kleiner Zelte. Die Frage, welche Zelte man gesehen haben sollte, stellt sich im Wesentlichen nur für ihre großen Vertreter, da die kleinen nicht über unreservierte Bereiche verfügen. Welches Wiesnzelt man nun am besten ansteuern sollte, hängt ganz von den persönlichen Vorlieben ab.
Wo finde ich junge Leute?
Um das Musikpodium herum findet man traditionell im Schottenhamel. Nachmittags herrscht dort allerdings eher zurückhaltend reger Betrieb. Der unreservierte Bereich der Schottenhamel-Festhalle füllt sich dennoch früh mit Wandertagsgesellschaften Münchner Gymnasien. Seit 2022 gleicht das Zelt am Abend mit Bühneneffekten und Showband eher einer Disco als einem Festzelt.
Wer über 20 ist, wird im Hackerzelt oder im Schützenzelt glücklicher, wobei das Publikum im Hackerzelt bodenständiger als im Schützenfestzelt ist. Dort ist außerdem der unreservierte Bereich sehr klein, am Wochenende seit 2025 sogar gar nicht mehr existent. In den Boxen und auf der Galerie sind die Gäste deutlich älter. Generell ist in allen Zelten das Publikum in den unreservierten Bereichen deutlich jünger.
Ich hätte es gerne möglichst authentisch
Viel wird seit den Neunzigern gejammert, dass die Ballermanisierung der meisten Wiesnzelte im Wesentlichen abgeschlossen ist. Selbst am Nachmittag ist vielerorts traditionelle Blasmusik nicht die Regel. Auf den gesamten Tag bezogen bietet das Augustinerzelt zweifelsohne die bodenständigste Unterhaltung. Die Musik ist ein gutes Stück traditioneller als anderswo, das Zelt steht im Wesentlichen seit 1928 so da, wie es das heute noch tut und der Anteil der Stammgäste, die diesen Ort kultisch zu verehren scheinen ist gigantisch. Auch das Armbrustschützenzelt ist zumindest etwas konventioneller als die meisten anderen Zelte.
Zu meiden sind am Abend hingegen die Ochsenbraterei, die Schottenhamel-Festhalle sowie das Paulaner-Festzelt. Alle drei werden seit einigen Jahren am Abend als Discos betrieben. Wer Wert auf gestandende Festkapellen legt, wird weiterhin mit den kleinen Partybands in der Fischer-Vroni sowie der Bräurosl nicht glücklich werden.
Wer kulturell interessiert ist, sollte sich außerdem die Oide Wiesn anschauen. Im Traditionszelt gibt es dort neben traditioneller Blasmusik sogar Tänze dargeboten, die in dieser Form allerdings in der Geschichte der Wiesn keine Rolle gespielt haben.
Ich will einfach die Sau rauslassen
Eine ausgelassene Stimmung bieten prinzipiell alle Zelte auf der Wiesn und das unter der Woche wie am Wochenende. Wer Wert auf Disconebel und Lichteffekte liegt, kommt in den Bierzeltdiscos Ochsenbraterei, Schottenhamel-Festhalle und Paulaner-Festzelt auf seine Kosten. Allerdings hat aus dieser Reihe nur die Ochsenbraterei eine gestandene Kapelle zu bieten.
Für ausländische Touristen sind das Hofbräu- und das Löwenbräuzelt die ersten Adressen, aber auch das Winzerer Fähndl (Paulaner-Festzelt) wird touristischer. Bei Einheimischen stehen das Hacker- und das Schützenfestzelt jedoch höher im Kurs. Bis auf das Winzerer bestechen alle diese Zelte mit konventioneller Bierzeltleuchtung und echten Festkapellen.
Auf der Oidn Wiesn sind die Schützenlisl und, je nach Programm, die Boandlkramerei sehr lebendig.
Ich mag gar kein Bier
Getränkekarten waren auf der Wiesn lange traditionell übersichtlich. Neben Wasser und ein paar Kracherln gibt es das Wiesnbier der jeweiligen Brauerei, dazu oft noch ein alkoholfreies Schankbier sowie ein Radler. Letzteres gibt es überall bis auf das Hacker- und das Augustinerzelt, wo es auf Basis einer Maß Bier selbst gemischt werden muss. Dazu kommt sonst lediglich noch Schnaps.
Wer Wein möchte, bekommt dies in den Wirts- und Schützen- sowie allen kleinen Zelten. Die großen Zelte, die Wein im Angebot haben, sind der Marstall, die Fischer-Vroni, das Armbrustschützenzelt, die Schottenhamel-Festhalle, das Schützenfestzelt, die Käfer Wiesnschänke sowie – selbstverständlich – das Weinzelt. Letztere drei haben allerdings keine (nennenswerten) reservierungsfreien Bereiche. Alle genannten verfügen auch über Bars.
Ich habe ein Glitzerdirndl, ich will zur Schickeria!
Die populärsten Refugien für typisches Schickeria-Publikum im mittleren Lebensdrittel sind das Käferzelt (innen nur mit Reservierung), das Weinzelt, die Bratwurst und der Marstall. Letzterer hat allerdings den Übergang vom Hippodrom nicht richtig gut geschafft. Die Glitzerdirndlträgerinnen kommen dort jetzt eher aus dem Norden. Die junge Münchner Vertreterin dieser Gattung füllt ihr Instagram-Profil bevorzugt mit Fotos aus dem Schützenzelt, in dessen Boxen und Galerien das Publikum ansonsten inzwischen den anderen genannten ähnelt.





