Wirtewechsel im Winzerer, Rückkehr der Zugspitzbahn?
Wie jedes Jahr erwarten wir auch für 2026 zahlreiche Neuheiten für das Münchner Oktoberfest. Auf dieser Seite sammeln wir bis Wiesnbeginn fortwährend alle Neuerungen, die uns bekannt werden. Unser Anspruch ist es dabei, von Wiesndamischen für Wiesndamische zu berichten und damit detaillierter, als es andere Medien für gewöhnlich tun. Der Großteil der Neuheiten wird dabei im Mai bekannt, wenn die Zulassungen vergeben werden. Ursprünglich sollte darüber am 28. April entschieden werden. Aufgrund der Unsicherheit, die sich aus dem Vorgehen der Münchner-Stuben-Wirte gegen die Zulassungsmodalitäten der Stadt ergibt, wurde die Entscheidung auf den 11. Mai vertagt. Der Bierpreis folgt für gewöhnlich im Juni
Neuer Wirt für das Winzerer Fähndl
Das „Paulaner Festzelt“ bekommt nach der viel kritisierten Ära Arabella Schörghuber einen neuen Wirt: Lorenz Stiftl übernimmt nach Wienerwald/Zum Stiftl und der Schützenlisl je nach Zählweise bereits sein drittes oder gar viertes Wiesnzelt. Auch diesmal startet er in die Reservierungsphase mit der Abfrage von Menübestellungen, die es gemäß den Oktoberfest-Betriebsvorschriften eigentlich nicht geben dürfte. In seinen letzten beiden Zelten versuchte er sogar zweitweise einen Menüzwang durchzudrücken, was seinem steilen Aufstieg jedoch nicht geschadet hat.
Wenig erfreulich ist auch die große Zahl an Tischen, die erstmals für elf Gäste reserviert werden. Im Winzerer gibt es nämlich an den Boxentrennern, die selbst das Mittelschiff unterteilen, durchlaufende Bänke, die am Tischende einen elften Sitzplatz schaffen. Wer schon einmal an einem vollbesetzten Biertisch gesessen ist, weiß allerdings, dass selbst zehn hungrige Mägen aufgrund des mangelnden Platzangebots nur unter Anwendung äußerst platzsparender Esstechniken gleichzeitig zu füllen sind. Wer am Tischende sitzt, hat noch nicht einmal Platz für einen Teller, muss jetzt aber dennoch Markerl abnehmen. Dass gleichzeitig Menübestellungen durchgedrückt werden sollen, hinterlässt einen doppelt faden Beigeschmack.
Musikalisch stellt sich das Zelt neu auf. Mit Tetrapack wird eine neue Partyband für die Abendpause engagiert. Als Festkapelle wird auf Altbewährtes gesetzt: Rainer Herneks und die Ludwig-Thoma-Musikanten kehren erstmals seit der Pandemiepause wieder auf die Wiesn zurück. Die aus der Bäurosl bekannten Dachauer können damit gleich zur Winzerer-Premiere ihre 50 Jahre Oktoberfest vollmachen.
Neuer Wirt für die Schützenlisl
Das Volkssängerzelt der Oidn Wiesn ist seit der Pandemiepause ein Dauerbrenner in Gesprächen über die Wiesn. Heuer wurde der Platz abermals frei, da der bisherige Wirt Lorenz Stiftl, der das Zelt erst 2022 kaufte, schon wieder befördert wurde. Wie zuerst die TZ meldete, soll der bisherige Wirt der historischen Kegelbahn, Michael Bietsch, zusammen mit den Geschäftsführern der Münchner Suppenküche, Florian Fendtz und Manfred Kneifel, das Zelt übernommen haben und als Schützenlisl fortführen. Erfahren werden wir es am 11. Mai, wenn über die Zulassungen entschieden wird.
Ausweitung der Musikzeiten
Den großen Festzelten wird 2026 erstmals erlaubt, wochentags schon ab 11 Uhr und an den Wochenenden ab 10 Uhr freilich mit Ausnahme des Eröffnungstags Musik zu spielen. Die Begründung hierfür ist allerdings recht kurios: Erfreulicherweise wurde festgestellt, dass die Überfüllungssituation im Vorjahr wesentlich dadurch zustande kam, dass eine große Menge offenbar ortsfremder Besucher vor den geschlossenen Biergarteneingängen wartete. Dem starken Anstieg des Touristenanteils an den Wochenenden soll deshalb durch die Ausweitung der Musikzeiten entgegengewirkt werden, die allerdings auch die Wochenenden betreffen. Grundsätzlich sind wir allerdings froh, dass diese Ursache für die Überfüllung überhaupt genannt wird. Ihr könnten die Ordnungsdienste nämlich recht einfach entgegenwirken, indem sie verhindern, dass überhaupt jemand vor geschlossenen Eingängen wartet.
Interessant ist auch, dass festgelegt wird, dass bis 12 Uhr nur traditionelle Blasmusik gespielt werden darf. Bereits seit Jahrzehnten gäbe es die Regel, dass bis 18 Uhr keine aufheizende Musik gespielt werden darf. Im Schlussbericht für die Wiesn 2025 heißt es hierzu lediglich, „auch in diesem Jahr wurde mehrfach festgestellt, dass bereits vor 18.00 Uhr, teilweise schon am frühen Nachmittag, gezielt Musik gespielt wurde, um die Besucher*innen auf die Bänke zu locken.“ Konsequenzen hat dieser wiederholte Regelverstoß jedoch keine. Weiterhin haben sich im Vorjahr das Hofbräuhauzelt, das Armbrustschützenzelt, die Augustiner-Festhalle, das Löwenbräuzelt, die Ochsenbraterei sowie die Bräurosl dazu verpflichtet, bis 18 Uhr generell nur traditionelle Blasmusik zu spielen. Der Feststellung des RAWs, dass sich Kapellen „grundsätzlich“ daran halten würden, dürfte kaum ein Wiesnbesucher folgen können. Die Ochsenbraterei wirbt beispielsweise am Haupteingang damit, dass Blasmusik bis 15 Uhr gespielt wird.
Zu hoffen ist, dass die Vorverlegung des Musikbeginns nicht zu einer Reduzierung von Blasmusik am Nachmittag führt. Direkt schockiert wären wir nicht, wenn manch eine Kapelle die Neuregelung so verstünde, dass um 12 Uhr der Startschuss zur Schlagerdisco erfolgt.
Anpassung des Mindestverzehrs
Eine weitere sehr interessante Anpassung ist die des Mindestverzehrs auf der Oidn Wiesn. Die dort ansässigen Wirte dürfen in den Boxen nicht mehr den zusätzlichen Verzehrgutschein verlangen, der sich inzwischen in Höhe von 18 € in den Boxen und auf den Galerien eingebürgert hat. Wieso betrifft diese erfreuliche Änderung jedoch nur die eh weniger profitablen Zelte der Oidn Wiesn?
Uns erschließt sich grundsätzlich nicht, wieso in diesen Bereichen überhaupt ein höherer Mindestverzehr verlangt werden darf. Mehrere Zelte haben recht beliebig Teile ihrer Mittelschiffe als Boxen deklariert, nur um diesen höheren Mindestverzehr kassieren zu können. Inwiefern nutzt das der Wiesn? Im Hackerzelt beispielsweise sind die hinteren sechs Reihen des Mittelschiffs lediglich eingezäunt und tragen Würfel mit der Aufschrift „Boxe“ über ihnen – und schon ist der erhöhte Mindestverzehr möglich. Noch ärgerlicher wird dieser Umstand in der Kombination mit sehr kurzen Reservierungsschichten, die mehr und mehr Wirte für Boxen und Galerien einführen. In drei Stunden wollen zwei Maß, ein Hendl und eine zweite Mahlzeit oder eine dritte Maß zur Verwendung des Zusatzgutscheins erst einmal verzehrt werden.
Optimierungen und Mengenrabatt für die Oide Wiesn
Die Oide Wiesn hat sich immer noch nicht von den Folgen der Pandemie erholen können und liegt weit unter den Besucherzahlen der vorpandemischen Jahre (2019: 556.920) und die 372.001 Besucher von 2025 liegen erheblich unter den 447.356 von 2024. Diesem Rückgang soll mit organisatorischen und programmlichen Maßnahmen entgegengewirkt werden. Organisatorisch bereits heuer durch eine Optimierung des Einlasses. Stau beim Zugang soll durch den Verzicht auf Einlassbänder zugunsten von QR-Codes verhindert werden. Der Wiedereinlass wird durch Stempel ermöglicht. Außerdem soll der der richtigen Wiesn am nächsten gelegene Eingang auch für den Einlass genutzt werden können. Bislang war dieser dem Wiedereinlass vorbehalten. Ohne Verzögerungen durch das Anlegen der Einlassbandl ist es nicht mehr nötig, zwischen Erst- und Wiedereinlass zu unterscheiden.
Eine Dauerkarte wird es zwar weiterhin nicht geben, doch sollen immerhin erstmals zwölf Eintrittskarten zum Preis von zehn verkauft werden. Dem Stadtratsantrag zufolge wird es sich dabei nicht nur um eine Karte handeln, die zwölf Einritte ermöglicht, sondern um zwölf einzelne, übertragbare Karten.
Änderungen an den Anforderungen an die Musikprogramme können hingegen erst 2027 auswirken. Die mit den Zulassungsentscheidungen beauftragten Beamten können sich bestimmt noch daran erinnern, dass zwei der drei großen Zelte der Oidn Wiesn zu ihrer Glanzzeit anderweitig vergeben wurden, als es in jüngerer Vergangenheit der Fall war.
Neue Fahrgeschäfte
Obwohl oder gerade weil es 2026 etwas Bewegung in der Schaustellerbranche gibt – sogar eine neue Achterbahn könnte dieses Jahr noch ihre Festplatzpremiere feiern –, tun wir uns schwer mit einer Vorhersage, was es heuer Neues auf der Wiesn geben könnte. Keines der Großprojekte gehört nämlich einem Münchner Stammbeschicker, doch hat die Stadt in den letzten Jahren durchaus Flexibilität bewiesen, wenn interessante Neuheiten zu haben waren.
Was wir uns allerdings wirklich erhoffen, ist die Rückkehr der Münchner Zugspitzbahn. Diese hat nämlich den Besitzer gewechselt und dürfte uns heuer, frisch renoviert, wieder auf der Schaustellerstraße beglücken.
Das Wiesnplakat 2026
Dass auf die Wahl des Wiesnplakats geschimpft wird, ist ein Münchner Naturgesetz. Selten, wahrscheinlich sogar noch nie, war die Kritik jedoch so geballt wie dieses Jahr. Neben den Allzeitempörten, die es tatsächlich hinbekommen, aus der Verwendung der Grundfarben eine Beleidigung ihrer selbst abzuleiten, gab es laute Zweifel aus der Münchner Grafikgemeinde an der Rechtschaffenheit des Wettbewerbsgewinners Florian Hubers. Der Vorwurf lautet, er habe sich eines KI-Generators bedient, obwohl solche als Hilfsmittel ausdrücklich vom Wettbewerb ausgeschlossen waren. Das unfehlbare Wirtschaftsreferat wirkte mit seinem mangelhaften Interesse an einer Aufklärung außerdem nicht sonderlich beschwichtigend.




