SARS-CoV-2 und Covid-19 halten die Welt in Atem. Findet die Wiesn trotz der derzeitigen Pandemie statt?

In Bayern wurde bereits am 28. Januar der erste Patient positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Da die Infektionskette rund um die betroffene Gautinger Firma lückenlos nachvollzogen werden konnte, war dieser Infektionsherd schnell beseitigt. Ins Bewusstsein der Münchner kam der neue Coronavirus SARS-CoV-2 deshalb so richtig erst am 6. März. An diesem Tag nämlich fand am Nockherberg die Pressekonferenz statt, in der überraschend bekanntgegeben wurde, dass die Salvatorprobe heuer nicht in gewohnter Weise stattfinden könne, da das Gesundheitsamt den als Gäste eingeladenen Politikern aufgrund der Infektionsgefahr vom Besuch abgeraten hatte.

Bereits in der Folgewoche fielen auch die teilweise bereits angelaufenen Starkbierfeste dem neuen Virus zum Opfer, bevor wenig später das soziale Leben in Bayern in seiner Gesamtheit Großteils heruntergefahren wurde. Derzeit werden in Bayern keinerlei Veranstaltungen genehmigt und Wirtschaften dürfen lediglich Speisen zur Mitnahme verkaufen. Laut Innenminister Joachim Hermann soll erst nach dem 19. April, falls es die Entwicklung zulässt, versucht werden, das soziale Leben langsam wieder hochzufahren. Würde die Wiesn in den nächsten Wochen beginnen sollen, würde sie somit nicht stattfinden.

Wiesnvorbereitung liegt trotz SARS-CoV-2 im Plan

Seitens der Wirte und der Landeshauptstadt laufen die Vorbereitungen für das 187. Münchner Oktoberfest bislang nach Plan. Mit einer Absage wird derzeit also nicht gerechnet. Anders verhält es sich mit dem Frühlingsfest, das ebenfalls auf der Theresienwiese stattfindet. Dessen Beginn am 24. April wird in jedem Fall nicht eingehalten. Derzeit denkt man jedoch noch nicht an eine Absage, sondern vielmehr eine Verschiebung.

Wann müsste das Oktoberfest abgesagt werden?

Eine klare Antwort auf diese Frage ist vom zuständigen Referat für Arbeit und Wirtschaft derzeit nicht zu bekommen. Momentan ist damit zu rechnen, dass die Zulassungen der Wiesnbeschicker im Mai, spätestens Anfang Juni, planmäßig erfolgt, dann wird es jedoch spannend. Der Aufbau der großen Festzelte würde planmäßig bereits am 6. Juli beginnen. Da der Aufbau der Zelte mehrere Millionen Euro verschlingt, wäre eine Absage vor dem 6. Juli durchaus denkbar – wenn es ausgeschlossen scheint, im September ein gewöhnliches Oktoberfest durchzuführen.

Erwähnenswert ist allerdings auch, dass es bereits 2016 zu der Situation kam, dass mit dem Wiesnaufbau begonnen wurde, bevor das KVR die Wiesn überhaupt genehmigt hatte. Der Zankapfel war damals das Sicherheitskonzept, für das man im KVR eine Anpassung forderte. Die Genehmigung erfolgte damals freilich dennoch, doch gibt es keine Garantie dafür, dass die Genehmigung nicht auch nach Aufbaubeginn noch entzogen werden könnte.

Kann Covid-19 im September wirklich noch bedrohlich sein?

Theoretisch könnte man SARS-CoV-2 innert zwei Wochen vernichten. Das wäre der Fall, wenn sich weltweit jeder Mensch für zwei Wochen vollständig isoliert und sich somit niemand mehr zusätzlich ansteckt, oder sich alle auf einmal anstecken damit danach jeder gegen den Virus immun ist. Beide Fälle sind jedoch nicht mehr als Gedankenspiele, deren Umsetzung völlig ausgeschlossen ist.

Was hingegen in Bayern und den meisten anderen betroffenen Teilen der Welt versucht wird ist es, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit die Zahl der gleichzeitig zu behandelnden Patienten stets unterhalb der Kapazitätsgrenze des Gesundheitssystems liegt und die Zahl der Todesopfer möglichst gering gehalten werden kann.

Viele Kommentatoren in sozialen Netzwerken fordern in den letzten Tagen immer wieder strenge Ausgangssperren, gerne versehen mit dem Schlagwort #flattenthecurve, um die Krise möglichst bald hinter uns zu bringen. Der Deutsche Schaustellerbund beispielsweise fordert die Menschen dazu auf, zuhause zu bleiben, um den Sommer zu „retten“. Während das Abflachen der Infektionskurve wie erwähnt wichtig ist, damit jeder Patient – egal mit welchem Leiden – angemessen behandelt werden kann. Doch bedeutet das Abflachen der Infektionskurve auch, dass es länger dauert, bis salopp gesagt jeder einmal infiziert und damit immunisiert worden ist.

Es geht also gerade nicht darum, „den Sommer zu retten“, sondern die Krise vielmehr zu strecken, um die schlimmsten Auswirkungen zu verhindern. Da selbst die kühnsten Optimisten keinen Impfschutz vor dem Herbst erwarten, wird Covid-19 somit den ganzen Sommer über omnipräsent bleiben. Wir hoffen derweil, dass es in dieser Krise vielleicht eine überraschende Wende gibt und das Jahr 2020 doch noch etwas von der Lebensfreude bekommt, die man ihm gerne zugestehen würde.