Wird die Wiesn 2022 stattfinden oder muss das Münchner Oktoberfest aufgrund der Covid-19-Pandemie ausfallen?

Aufgrund der anhaltenden Pandemiesituation stehen wir leider auch 2022 wieder vor der Frage, ob das Münchner Oktoberfest nach zwei Absagen wieder stattfinden kann. 70 Jahre lang durfte München zuvor ohne Unterbrechung jährlich seine Wiesn feiern, bevor die Covid-19-Pandemie 2020 und 2021 zu den ersten beiden Absagen seit dem zweiten Weltkrieg führte.

Wann wird entschieden ob die Wiesn 2022 stattfindet?

2020 und 2021 waren es der 21. April und der 3. Mai an denen die traurige Nachricht des Wiesnausfalls verkündet wurde. Mai wäre auch heuer wieder ein erwartbarer Zeitpunkt für eine Entscheidung. Allerspätestens muss die Entscheidung im Juni getroffen werden – schließlich beginnt Mitte Juli die elfwöchige Aufbauphase.

Ist eine Wiesn unter Pandemiebedingungen denkbar?

Das eindeutige Nein, mit dem wir diese Frage im Vorjahr noch beantwortet haben, muss inzwischen einem Jein weichen. Nein, auf dem Festplatz kann es keine einschneidenden Beschränkungen geben. Die Wiesn mag zwar ein großartiges Geschäft sein, nur erzeugt sie auch einen erheblichen Aufwand. Der Aufbau jedes einzelnen großen Zeltes verschlingt eine siebenstellige Summe, die erst einmal wieder verdient werden will. Mit Kapazitätseinschränken wäre das nicht zu machen.

Auf lange Sicht gesehen noch wichtiger als die ökonomische Darstellbarkeit von pandemiebedingten Einschränkungen ist aber die mögliche Beschädigung des Charakter des Festes und damit letztendlich auch seiner Marke. Dies war beispielsweise auch nach dem zweiten Weltkrieg der Grund, wieso der Münchner Stadtrat bis 1949 noch davor zurückschreckte, wieder eine Wiesn zu veranstalten. Stattdessen gab es erst deutlich kleinere Herbstfeste, um nicht mit Halbscharigkeit den Fortbestand des größten Volksfests der Welt zu gefährden.

Könnte es Zugangsbeschränkungen geben?

Dass es eine Wiesn nur ganz oder gar nicht geben könne, wurde in den letzten beiden Jahren auch von offizieller Seite immer wieder klargestellt. In einem wesentlichen Punkt hat sich dies für 2022 jedoch geändert und damit kommen wir Ja-Teil des anfänglichen Jeins: Die Umsetzung von Einlassbeschränkungen wird inzwischen von der Landeshauptstadt geprüft und wurde prinzipiell auch bereits vom Stadtrat bestätigt.

Nach zwei Absagen ist der Druck, nicht noch eine Dritte hinzuzufügen, so groß, dass wenigstens Geimpften und Genesenen ein Wiesnbesuch ermöglicht werden soll. Da es jedoch allein schon aus Platzgründen nicht möglich wäre, jeden Besucher direkt vor dem Betreten des Festplatzes aufwendig zu kontrollieren, wird darüber nachgedacht, an mehreren Orten in der Stadt Kontrollstellen einzurichten, bei denen Einlassbänder abgeholt werden können, die für die Dauer der Wiesn gelten.

Damit ließe sich der Kontrollaufwand an den Eingängen erheblich, auf ein hoffentlich handhabbares Maß, reduzieren. Umgesetzt wurde ein solches System beispielsweise auf der Basler Herbstmesse im vergangen Oktober und November. In München könnte das Frühlingsfest im Mai als Testlauf dienen. Dieses hätte 2021 sogar ohne Bierzelte stattfinden sollen.

Bereits ausgeschlossen wurde eine zusätzliche Testpflicht. Sechs bis sieben Millionen Tests durchzuführen und dann auch noch zu kontrollieren wäre schlichtweg zu aufwendig.

Wird die Wiesn nach vorne verlegt?

Der Gedanke mag sich absurd anhören, wird aber anscheinend tatsächlich vom Referat für Arbeit und Wirtschaft geprüft, um einem Anstieg des Infektionsgeschehens im Herbst aus dem Weg zu gehen. Wenn die Wiesn stattfindet, werden jedoch auch alle anderen Volksfeste wieder stattfinden, mit denen sie sich dann überschneiden würde. Da nicht plötzlich deutlich mehr Schausteller als früher zur Verfügung stehen, hätte das entweder negative Auswirkungen auf andere Feste, weil deren Beschicker die Wiesn vorziehen, oder gar auf die Wiesn selber, weil Schausteller bereits Verträge für andere Veranstaltungen unterschrieben haben.

Immanent ist dem Vorschlag jedoch ein anderer, erheblicher Nachteil: Findet die Wiesn eher statt, muss auch früher entschieden werden, ihre 187. Ausgabe nicht ein erneutes Mal zu verschieben. Früher im Jahr dürfte diese Entscheidung jedoch bestimmt nicht leichter fallen.

Da der Münchner Stadtrat diesen Vorschlag aufgrund der Vielzahl an Problemen inzwischen abgelehnt hat, ist er endgültig gestorben.