Das traditionsreiche Staatliche Hofbräuhaus ist erst seit erstaunlich kurzer Zeit auf der Wiesn vertreten. Kurioserweise erlebte dessen Bier seinen Erstausschank zudem im Schottenhamelzelt, das nur Anfang der 50er-Jahre ausnahmsweise nicht von Spaten beliefert wurde. 1952 war es dann endlich so weit, dass die erste eigene Festhalle der Staatsbrauerei eröffnet wurde.

Wenig überraschend übernahm Wienerwald-Familie Steinberg 1980 einen Selbstläufer. Dass das berühmteste Wirtshaus der Welt, das Hofbräuhaus am Platzl auch einen Ableger auf der Wiesn hat, ist freilich auch den vielen Touristen, allen voran Angelsachsen, die dort einkehren bekannt. Das Publikum ist gar so international, dass in den 80ern, den Trinkgewohnheiten vieler Nationalitäten entsprechend, der einzige Stehbereich mit 1000 Plätzen direkt vor der Kapelle eingerichtet wurde. Das dortige Publikum bezeichnet diesen Bereich übrigens vielsagend als „Pig pen“, also Ferkelstall.

Geschmückt ist das Hofbräuzelt mit 12 Zentnern Hopfenreben. Zwischen all dem Hopfen schwebt der Engel Aloisius über den Besuchern. Dieser scheiterte in der Satire ein Münchner im Himmel von Ludwig Thoma im Hofbräuhaus versumpft an seinem Auftrag, der bayerischen Staatsregierung göttliche Ratschläge zu überbringen. Die Staatsregierung hat ihre Plätze übrigens – sie werden es ahnen – im Hofbräuzelt.

Nach Jahrzehnten, in denen sich Generationen von Amerikanern nicht sicher waren, ob das berühmte Hofbräuhaus nun am Platzl in der Altstadt oder doch nur für maximal 18 Tage im Jahr auf der Wiesn zu finden ist, sorgt die Wirtsfamilie Steinberg seit 2005 für zusätzliche Verwirrung, indem sie die vorher häufig kritisierte moderne Fassade durch eine an das Hofbräuhaus am Platzl angelehnte ersetzte.

Ganz anders als am Platzl aber gestaltet sich die Stimmung im Hofbräuzelt. Während sich das Hofbräuhaus in den letzten Jahren mit konsequent traditioneller Blasmusik in der Schwemme und zahlreichen Kulturveranstaltungen als Hort bayerischer Wirtshauskultur empogehoben hat, ist die Filiale auf der Wiesn eben ein Wiesnzelt – ein sehr internationales noch dazu. Obwohl dies bedingt, dass weniger Rehragout, dafür mehr Hey Baby das Zelt beschallt, kann auch bodenständigeres Publikum dort durchaus vergnügte Stunden verbringen – nur eben vielleicht nicht gerade im Stehbereich.

Besonders familienfreundlich zeigt sich das Hofbräu-Festzelt an den Familientagen, wenn auf den Galerien besondere Familienangebote feilgeboten werden. Ebenso erfreulich sind die Mittagsangebote, die mit 9,50€ zu den günstigsten gehören. 2015 setzt man sogar noch einen drauf: Neu sind täglich wechselnde Angebote, die sogar nur 8,50€ kosten.

Wirt Ricky Steinberg hat am Tag vor der Wiesn 2014 sein Zelt von vorne oben und innen mithilfe eines Quadrocopters gefilmt. Und das ist dabei herausgekommen: