Der Stadtrat hat am 28.04.2014 entschieden, Hippodrom-Wirt als logische Konsequenz seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung, die Konzession zu entziehen. Nachfolger Sigfried Able hat sich entschieden, die Geschichte des Hippodrom zu beenden und stattdessen mit einem neuen Zelt namens Marstall die Wiesn zu beziehen.

Kaum ein Wiesnzelt hat eine wechselhaftere Vergangenheit als das Hippodrom. 1902 als Reitbahn mit Gastronomie vom Großschausteller Carl Gabriel eröffnet, gastierte in den letzten Jahren, beim damaligen Festwirt Sepp Krätz v.a. die Münchner Schickeria, oder zumindest das, was noch von ihr übrig ist. Danach sah es lange Zeit gar nicht aus. Mit dem Siegeszug der Hose als weibliches Beinkleid, sank der Reiz der Reitbahn, der zumindest bei den Herren zu nicht unerheblichen Teilen darin bestand, unabsichtlich freigelegtes Bein der Reiterinnen aus dem Publikum zu erspähen. Zwar dauerte es noch bis 1988, ehe lebendige Pferde aus dem Hippodrom verbannt wurden, doch wollte sich auch danach noch kein Erfolg einstellen.

Den Bemühungen von Sepp Krätz, der den Scherbenhaufen 1995 übernahm, war es zu verdanken, dass das Zelt schließlich aus den Negativschlagzeilen gebracht werden konnte – bis er es durch sein eigenes Handeln wieder dorthin steuerte und letztendlich wie schon seine drei Vorgänger das Zelt wegen Steuerhinterziehung verlor.

Hinter der Jugendstilfassade, die erst seit 1985 besteht, wird gediegener gefeiert als anderswo. Das Publikum ist älter und betuchter, Blasmusik sucht man dort vergebens. Auch die Speisenkarte entspricht nicht ganz dem, was man aus anderen Bierzelten kennt, z.B. Riesengarnelen oder Gerichte vom Wagyu-Rind. Außerdem kommt neben Spatenbier auch Franziskaner Weißbier sowie eine Auswahl an Weinen zum Ausschank, welche auch an einer der Bars genossen werden kann.