Bei der Augustinerbrauerei drehen die Uhren seit einigen Jahrzehnten offenbar anders. Nicht nur ist sie die einzige Münchner Großbrauerei, die ihr kostbares Gut noch aufwendig in Holzfässern auf die Theresienwiese karrt, auch im Wiesnzelt der Brauerei scheint die Zeit in vielerlei Hinsicht stehengeblieben. Das heutige Erscheinungsbild des Zeltes geht zurück bis ins Jahr 1926. 2010 wurde sogar wieder ein inzwischen 30 Meter hoher Turm errichtet, der nach dem Krieg bislang nicht mehr aufgebaut wurde und heute als Fasslager dient. Auch im Zeltinneren überzeugt das Augustinerzelt durch Konstanz. Gerade wer über die zunehmende Ballermanisierung in manchem Nachbarzelt klagt, wird hier positiv überrascht. Bereits in den Mittagsstunden ist das Zelt sehr gut gefüllt, zu einem erheblichen Teil mit Stammgästen, die den Klängen alpenländischer sowie konzertanter Blasmusik lauschen.

Die zwar ausgelassene, aber dennoch bodenständige Stimmung hat zum großen Vorteil, dass auch in den Abendstunden noch ein Platz gefunden werden kann, dessen Sitzmöbel noch nicht zur Tanzfläche umfunktioniert worden ist. Und das, obwohl das Augustinerzelt zu den Beliebtesten gehört -gilt es doch vielen sogar als das einzige Zelt, das noch ein echtes Wiesnzelt und keine Schlagerdisco ist. Das Publikum ist gut durchmischt, wobei der Anteil an Besuchern aus München und dem Umland besonders hoch ist.

Manfred Vollmer führt das Augustinerzelt bereits seit 1988. Leider enthält die Speisekarte einige unangenehme Überraschungen. Der Schweinsbraten beispielsweise ist einer der teuersten auf der Theresienwiese. Überhaupt ist löchrige Preisstruktur der Speisenkarte zweifelhaft. Offenbar sehen die Wirtsleute dies inzwischen ähnlich. Nachdem unsere Kritik in den Vorjahren in erster Linie den deutlich zu teuren Mittagsangeboten galt, wurden diese bereits 2014 deutlich reduziert und 2015 wurden abgesehen von Getränken und dem Hendl keine Speisenpreise erhöht.

2014 wurde das Zelt im Innenraum umgebaut. Toiletten wurden erneuert, Eingänge verlegt, auf Doppelreihen im Mittelschiff umgestellt und die hintere Galerie um einen funktionslosen Halbkreis erweitert. 2015 folgte glücklicherweise eine völlig neue Beschallung des Zeltes.