Nicht-Bayern, oftmals sogar Nicht-Münchnern ist die Wiesn allzu oft ein Mysterium. Nüchtern betrachtet ist vielleicht auch gar nicht verwunderlich, dass es einem hin und wieder schwerfällt, zu erklären, wieso sich eine ganze Stadt für 16 Tage in ein Gewand kleidet, dass die Auftragsfertiger in Bangladesch für eine oberbayerische Gebirgstracht hält; wieso Wirte die städtische Hautevolee anführen, wo man doch andernorts überzeugt ist, man müsse Nichts werden, um Wirt zu werden; wieso keine Tätigkeit des Oberbürgermeisters mehr Beachtung findet, als die eines Schankkellners; wieso Diskussionen über die Preis- und Reservierungspolitik oftmals den Eindruck erwecken, ein offen ausgetragener Klassenkampf stünde unmittelbar bevor; wieso Menschen sich noch vor Sonnenaufgang vor Bierzelten anstellen, um auch ja um zehn die erste Maß verschleißen zu können; oder wieso sich kein Münchner wundert, dass die Wiesn jedes Jahr „ausreserviert“ ist – eine Vokabel die im deutschsprachigen Sprachraum offenbar sonst nicht mehr auftaucht.

Rational ist das jedenfalls nicht. Die Münchner Stadtpolitik hat heute Auswärtigen eine neue Möglichkeit eröffnet, an der Ratio des gemeinen Münchners zu zweifeln. Wir bereits mehrfach in der Tagespresse zu lesen, hat sich das Wirtschaftsreferat der Stadt München mehrere Manntage mit dem Antrag beschäftigt, ganze zwei Tisch auf der Ratsgalerie im Schottenhamelzelt zur Eröffnung zu verlosen. Es gibt hierbei um sage und schreibe 20 Sitzplätze inklusive jeweils einer Maß Bier und einem halben Hendl. Damit die Wiesn ein „echtes Münchner Volksfest auch beim Anstich“ bleibt, so wie es im Titel des Antrags steht. Im Beschluss des Ausschusses für Arbeit und Wirtschaft wird das Budget für die Durchführung der Verlosung sowie der Bereitstellung der Bewirtung auf höchstens 500€ beziffert.

Die Münchner Presse wird wieder großflächig wohlwollend über diesen Meilenstein berichten und wir tun uns noch einmal leichter, auswärtigen zu veranschaulichen, wie unermesslich wichtig das Oktoberfest für München und Bayern ist. Wei normal is des ned.

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