Die mit Abstand kleinste, die Wiesn beliefernde Brauerei, ist auch diejenige, welche die kürzeste Oktoberfestgeschichte aufzuweisen hat. Erst seit 1950 wird Hofbräubier auf der Wiesn ausgeschenkt und das erst seit 1952 im eigenen Zelt. Dabei existiert die Brauerei bereits seit 1589. Die Gründungsgeschichte allerdings will so gar nicht vom heutigen Selbstbewusstsein bayerischer Bierproduzenten passen. Weil nämlich das vor Ort verfügbare Bier der höfischen Gesellschaft nicht mundete, bemühte man sich bevorzugt um Importe aus Norddeutschland, insbesondere aus Einbeck, wo man zu festlichen Anlässen besonders stark eingebrautes Bier herstellte, um es reisetauglich zu machen. Doch das hochwertige Bier sorgte in München nicht nur für Begeisterung. Durch den hohen Importaufwand war es teuer, außerdem norddeutsch und nicht zuletzt evangelisch.

Herzog Wilhelm V. von Bayern (1548-1626) gründete deshalb bereits als Prinz in Landshut eine Brauerei, die die Burg Trausnitz mit Bier versorgte. Auch nach seinem Umzug nach München wollte er deshalb den Hofstaat mit hiesigem Bier versorgt wissen und eröffnete am 27. September 1589 das Herzogliche Hofbräuhaus im Alten Hof. Über seinen Gründungszweck hinaus wurde das dort gebraute Braunbier bald auch verkauft. Doch offenbar war die Sehnsucht nach dem starken Bier aus Einbeck groß und so wurde 1612 Elias Pichler, ein Braumeister von dort, berufen, um ab 1614 „Ainpöckisch Bier“ auch in Münchner zu brauen. Der Münchner Volksmund eignete sich dessen Namen als Oanbock an, um ihn später auf Bock zu verkürzen. Dieses saisonale Starkbier wird auch heute noch im Hofbräuhaus gebraut und als Maibock verkauft.

Heute kaum noch Beachtung findet die Tatsache, dass die Geschichte des Weißbieres in Bayern eng mit der des Hofbräus verbunden ist. Die Herstellung der aus Böhmen kommenden Biersorte war nach dem Reinheitsgebot ab 1516 verboten, da man den dafür benötigten Weizen für die Brotherstellung sichern wollte. Lediglich zwei niederbayerischen Adelsfamilien war die Produktion ausnahmsweise erlaubt. Herzog Maximilian I. wandelte das Verbot in ein gewinnbringendes staatliches Monopol um und engagierte 1602 einen Weibierbrauer für das Münchner Hofbräuhaus. Zunächst wurde sowohl braunes als auch weißes Bier im alten Hof hergestellt. Bereits 1607 wurde mit der Fertigstellung des Weißen Hofbräuhaus am Platzl jedoch eine eigene Braustätte für das beliebte Weißbier geschaffen. 1808 wurde das Braune Hofbräuhaus im Alten Hof aufgegeben und in das Weiße Hofbräuhaus eingegliedert.

Das Weiße Hofbräuhaus vor dem Neubau.

Zu seinem heute legendären öffentlichen Bierausschank kam das Hofbräuhaus am Platz erst 1828 durch einen Erlass von König Ludwig I. Vorher wurde dort lediglich in der Maibockzeit direkt vor Ort Bier ausgeschenkt. Der zweite Umzug der Brauerei folgte 1896, als die beengten räumlichen Verhältnisse am Platz gegen einen Neubau am Wiener Platz, wo sich bereits ein Lagerkeller befand, eingetauscht wurden. Daraufhin folgte der Umbau des Hauses am Platzl zum Bierpalast, wie man es heute in aller Welt kennt. In Haidhausen lief die Produktion bis zu einem Großbrand am 6. April 1987 weiter und wurde anschließend an die Stadtgrenze nach Riem verlagert.

Auf der Wiesn wird das Bier des Staatlichen Hofbräuhauses, wie es heute heißt, erst seit 1950 ausgeschenkt – und das auch noch in der Schottenhamel-Festhalle. Mit einem eigenen Brauereizelt bezog der Hofbräu erst 1952 zum ersten Mal das Oktoberfest.

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