Die Zahl 1328 hat für zahlreiche Münchner eine geradezu mythische Bedeutung. Es handelt sich hierbei nämlich um das Gründungsjahr der ältesten und oft götzengleich verehrten Brauerei Münchens: Dem Augustinerbräu. Wie der Name vermuten lässt, ist die Brauerei aus einem Augustinerkloster hervorgegangen. Dieses wurde 1294 vor der ersten Münchner Stadtmauer, auf dem Habefeld, eröffnet und beherbergt heute das Polizeipräsidium. Nach dem Heiliggeistspital und St. Jakob am Anger, war das Augustinerkloster vermutlich die dritte klösterliche Brauerei Münchens.

Das Gründungsjahr wurde – wie meistens bei derart alten Unternehmen – erst lange später festgelegt. Als frühester Beleg für die Brautätigkeit gilt eine nicht sicher belegbare Nachricht, laut der sich die Bäckerknechtsbruderschaft im Jahr nach dem Brand des Heiliggeistspitals 1327 fortan nicht mehr dort, sondern im Augustiner-Bräustüberl versammelte. Somit ist spätestens zu diesem Zeitpunkt eine Brauerei anzunehmen. Urkundlich nachweisbar ist sie jedoch erst seit 1411.

Wie für Klostberbrauereien üblich, erlebte der Betrieb durch die Säkularisierung eine einschneidende Zäsur. 1803 wurde das Kloster säkularisiert, die Augustinerkirche als Mauthalle profaniert und die Brauerei privatisiert. Die ersten privaten Besitzer wurden die beiden Fischer Georg Gröber und Baptist Lankes, die eigentlich die Braugerechtigkeit des Angerklosters erworben hatten, nach Streitereien um dessen Pachthöhe aber ersatzweise 1817 das Augustinerkloster erhielten. Mit diesem Besitzerwechsel zog die Brauerei auch in ihre zweite Braustätte, dem Möschenfelderhaus, auf der anderen Seite der Neuhauser Straße um. Auf diesem Grundstück steht heute die auch als Stammhaus bekannte Bierhalle.

1829 taucht erstmals ein bis heute mit der Brauerei verbundener Name in dessen Geschichte auf: Die vermögenden Getreidehändler Eheleute Anton und Theresia Wagner erwerben das Braurecht, nachdem sie zuvor bereits in Freising den Huberbräu betrieben hatten. Theresia Wagner führte die Brauerei nach dem Tod ihres Mannes auch alleine sehr erfolgreich weiter. Expansionswille und Innovation – nichts, was man heute noch mit der Brauerei in Verbindung bringen würde – führten so 1857 zum Erwerb des 1828 von der Hartlbrauerei errichteten Butlerkellers. Diese Investition erlangte einige Jahrzehnte später eine ganz besondere Bedeutung.

Die heute noch in Betrieb befindlichen Anlagen der Augustinerbräu in der Landsbergerstraße, um 1900.

Zwischen 1884 und 1890 verlagerte Theresias Sohn Josef die Brauerei auf das Grundstück des Lagerkellers an der Neuhauser Straße. Mit diesem Umzug stieg der Augustiner in die erste Garde der Münchner Brauereien auf. Deshalb hielt es Josef Wagner auch für angemessen, seine Initialen in das Wappen der Brauerei zu übernehmen, woran sich bis heute nichts geändert hat. Die letzte Nachfahrin Josefs, Edith Haberland-Wagner, vererbte ihren Anteil an der Brauerei an die, zusammen mit dem früheren Geschäftsführer Ferdinand Schmid gegründete, Edith-Haberland-Wagner-Stiftung, der bis heute 51% der Brauerei gehört. Aufgrund dessen ist der Augustinerbräu heute die größte Münchner Privatbrauerei.

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