Lieber Erstbesucher, herzlichen Glückwunsch, dass Sie sich für eine Reise zur wahrhaftigen Glückseligkeit entschieden haben. Gerade, wenn Sie aus dem nicht-bayerischen Ausland kommen und Ihnen die bayerische Volksfestkultur nicht vertraut ist, werden Sie möglicherweise ein paar falsche Annahmen zu Ihrem Wiesnbesuch treffen. Doch selbst, wenn Ihnen die bayerische Volksfestkultur wohl bekannt ist, lassen Sie sich versichern, dass auf der Wiesn einiges anders funktioniert als beispielsweise in Straubing oder in Rosenheim, von kleineren Festen ganz zu schweigen.

Was ist das Oktoberfest überhaupt?

Das Oktoberfest, in den letzten Jahren auch außerhalb Münchens auch als „Wiesn“ bekannt, ist weder Feiertag, noch Jahreszeit oder Veranstaltungsgattung. Der Begriff steht für das Münchner Oktoberfest, das seit 1810 auf der Theresienwiese ebendort stattfindet. Seinen Ursprung hat es in der öffentlichen Feier der Hochzeit zwischen dem Kronprinzen Ludwig und seiner Therese, welche in Form eines Pferderennens abgehalten wurde. Aufgrund des durchschlagenden Erfolgs und der Suche nach Identifikationspunkten im jungen Königreich wurde die Veranstaltung als bayerisches Nationalfest seither jährlich wiederholt. Es wird in der Regel von über sechs Millionen Gästen besucht und gilt als das größte Volksfest der Welt.

Eintrittspreise und Reservierungen

Beginnen wir mit einem Irrtum, der gerade bei ausländischen Besuchern häufig anzutreffen ist: Die Wiesn kostet prinzipiell kein Geld. Man mag vielleicht am Kölner Oktoberfest oder auf der Züriwiesn sogenannte „Tickets“ im Voraus erwerben müssen, auf dem Münchner Original ist dies jedoch nicht der Fall. Selbst Tischreservierungen sind kostenlos, lediglich Verzehrgutscheine, die aber zumindest vom Gros der anständigen Wirte nicht an die Reservierung gebunden sind, sind abzunehmen.

Dass windige Schwarzhändler Wiesntische zu horrenden, vierstelligen Summen verkaufen können, ist allein der Tatsache geschuldet, dass der Einlass in die Zelte an Freitagen ab dem Nachmittag sowie an Samstagen ganztägig zwecks Überfüllung ohne Reservierung und dem damit verbundenen Einlassbandl zum Geduldsspiel wird. Obligatorisch ist eine solche Reservierung aber keinesfalls. Im Gegensatz zu vielen anderen Volksfesten muss in zwölf der 14 großen Zelte sowie auf der Oidn Wiesn ein erhebliches Kontingent an Sitzplätzen für das Laufpublikum freigehalten werden. An Wochentagen ist dies ein Viertel aller Plätze. An Samstagen, Sonntagen und Feiertagen bis 15 Uhr bleibt die Hälfte der Plätze reservierungsfrei, danach 35 Prozent.

Orientierung am Platz

Das Münchner Oktoberfest lässt sich in Nord-Süd-Richtung in zwei Bereiche Teilen: Auf der vom Haupteingang und der U-Bahn-Haltestelle aus rechts liegenden Wirtsbudenstraße im Westen der Theresienwiese befinden sich die großen Bierzelte, während aus der linken, östlichen Seite an der Schaustellerstraße die großen Fahrgeschäfte stehen. Die größte Querverbindung der beiden Straßen ist die Matthias-Pschorr-Straße zu Fuße der Bavaria. Dort befinden sich mit dem Schützenzelt, Käfers Wiesnchänke und dem Weinzelt auch drei weitere große Bierzelte. Am Ende der Wirtsbudenstraße steht in Jahren ohne Zentrallandwirtschaftsfest, das alle vier Jahre den Südteil belegt, das Riesenrad, während die Schaustellerstraße vom Olympialooping abgeschlossen wird.

In ZLF-Jahren schließt das Riesenrad die Schaustellerstraße ab und der Olympialooping thront neben der Schaustellerstraße. Wenn das ZLF nicht stattfindet, wird am südwestlichen Teil der Theresienwiese die Oide Wiesn aufgebaut, bestehend aus alten Fahrgeschäften, einem traditionellen Bierzelt und einem Musikantenzelt, in dem bekannte zeitgenössische Volksmusikgruppen auftreten. Für die Oide Wiesn ist ein Eintrittsgeld zu entrichten. Das ZLF hingegen ist eine Landwirtschaftsausstellung, die eine über 200-jährige Tradition an dieser Stelle genießt.

Wiesn-Unikate/Was man gesehen haben muss

Auch wenn Sie viel Zeit für Ihren Wiesnbesuch eingeplant und sich vorgenommen haben, sowieso alles anzuschauen, ist die Bedeutung manch einer Attraktion auf den ersten Blick gar nicht erkennbar. Deshalb möchten wir Ihnen einen Überblick über einige wenige Attraktionen geben, die sie nicht verpassen sollten.

Schichtl

Der Schichtl
Ein Varietétheater von 1867, das von Außen durch seine legendäre Parade, im Inneren durch ein Programm aus lustigen Nummern, dem Schmetterlingstanz und einer Hinrichtung besticht.

Bavaria

Die Bavaria
Die Bavaria kann während der Wiesn innen bestiegen werden, um vom Kopf aus einen Überblick über die Matthias-Pschorr-Straße zu haben. Doch auch kostenlos hat man von ihrem Sockel aus einen wunderbaren Überblick. Noch größer ist der Überblick lediglich vom Riesenrad und dem Turm der Paulskirche nördlich der Theresienweise aus.

Krinoline

Die Krinoline
Die Krinoline ist zwar nicht das älteste Fahrgeschäft auf der Wiesn, durch seine eigene Blaskapelle aber eines der charmantesten.

Teufelsrad

Das Teufelsrad
Seit 1908 streiten sich die Münchner darum, wer am längsten auf dem Teufelsrad aushält. Zur Unterhaltung wird das Geschehen vom Rekommandeur kommentiert.

Toboggan

Der Toboggan
Gerade in den Abendstunden ergötzen sich Hunderte an den Missgeschicken der Tobogganbenutzer, die Einer nach dem Anderen an den Tücken des Laufbandes scheitern.
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