Die in den letzten Jahren immer größer gewordene Bratwurst bietet Kitzbüheler Hüttenatmosphäre, am Abend wird bemerkenswert rockig aufgespielt.

Optisch wohl eines der bemerkenswertesten Bierzelte, erinnert die Bratwurst an längst vergangene Tage der Münchner Bierzeltarchitektur. Auch wenn der aktuelle Bau im Wesentlichen aus dem Jahr 2000 stammt, hat die Bratwurst als Nachfolger des Bratwurstglöckls eine sehr wechselhafte Geschichte hinter sich. Im Jahr 2000 grub der damalige Bratwurstglöckl-Wirt Michi Beck die Pläne des alten Nürnberger Bratwurstglöckls wieder aus und bezog damit samt schwarzgebautem Keller erstmals wieder die Wiesn. Nachdem das Zelt ab 1894 bereits auf der Wiesn stand, erlebte es nach der Insolvenz 2006 eine erneute Zwangspause.

In erheblich solideres Fahrwasser gelangte das Zelt aber nur ein Jahr später, als Werner Hochreiter, dessen Familie außerdem noch die Haxenbraterei und das Weißbierkarussel betreibt. Auch nach dem Umzug 2012 aus der Wirtsbudenstraße neben den Toboggan und der damit einhergehenden Vergrößerung der Charme des Innenraums gelitten hat, ist die Bratwurst gerade am Nachmittag einen Besuch wert. Heuer allerdings nur noch von Montag bis Mittwich, wenn Michi Graf mit seinen Musikanten kitschfreie Wirtshausmusik spielt, bei schönem Wetter auch im Biergarten. Am ersten Sonntag tritt Roland Hefter von 12 bis 17 Uhr auf. An den anderen Tagen halten jedoch die Seppelhüte der Rockaholixs Buam Einzug. Showbands spielen an den Abenden ab 18:00 Uhr. In der ersten Woche handelt es sich hierbei um Die Derbys, in der zweiten Woche spielen nach einer Pause im Vorjahr wieder die Wuidara Pistols.

2015 wurde der Biergarten nochmals erweitert und beherbergt nun auch eine Champagnerbar. Man bekommt im Biergarten schnell das Gefühl, eigentlich an einer Kitzbüheler Hütte zu sitzen. Das Publikum ist etwas älter und geldiger als in den großen Zelten. Neben Champagner ist das Statussymbol der Wahl die Schaumige, also eine Maß Bier, die Großteils mit Schaum statt Bier gefüllt wird.

Kulinarisch stehen freilich die namengebenden Bratwürstl im Vordergrund. Davon abgesehen werden aber auch Haxen, Ripperl oder Spanferkel serviert. Bis 15 Uhr gibt es täglich, auch am Wochenende, ein Bierbratl mit Semmelknödel samt kleinem Weißbier für 11,90€.

Für ein Volksfest sehr fragwürdig ist die Einlasspolitik. Selbst der Eintritt in den Biergarten ist, wenn das berechtigte Handgelenk nicht gerade mit einem Champagnerbandl gekennzeichnet ist, ohne Rechtfertigung gegenüber der Türsteher nicht möglich. Weiterhin wird nur Gästen in „Tracht“ Einlass gewährt.