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Die 1629 gegründete Brauerei des Paulanerklosters in der Münchner Au kann sich die Erfindung einer ganzen Biergattung auf die Fahne schreiben.

1629 wurde das „Paulaner Kloster zu Neidegg ob der Au nechst München“ unterhalb des Nockherbergs gegründet. Das Datum, das die Brauerei heute als ihren Geburtstag ansieht, geht auf eine Ordnungswidrigkeit der Mönche zurück. Nachdem Tod des Ordensbruders und Erben der Familie Lerchl, die seit 1456 in der Neuhauser Straße auf dem Grundstück der zweiten Augustinerbraustätte Bier braute, ging deren Braurecht an den Orden über – allerdings lediglich zur Herstellung der eigenen Hausnotdurft. Doch bereits am 18. Februar 1634 wurden die braven Mönche aktenkundig, weil im Lerchlbräu ein öffentlicher Bierausschank stattfand. Ein Umzug der Brauerei von der Altstadt in die Au fand jedoch erst 1718 statt.

Das Paulanerkloster Neudeck ob der Au 1707.

Einen widerrechtlichen öffentlichen Ausschank gab es auch dort wieder. Erst 1751 legitimierte Kurfürst Max III. Joseph das bunte Treiben, allerdings nur für gerade einmal acht Tage im Jahr, jeweils ab dem 2. April, dem Tag des Franz von Paola, zu dessen Ehren die Mönche ein besonders nahrhaftes Bier brauten, von dem jedem Mönch vier Liter am Tag zustanden, um sich durch die Fastenzeit zu retten.

Bis aus diesen ersten Starkbierversuchen der legendäre Salvator wurde, dauerte es allerdings noch zwei Jahrzehnte. 1774 zog Valentin Stephan Still, der es als Bruder Barnabas noch zu Weltruhm schaffen sollte, in das Kloster und nahm sich des offenbar damals mäßig schmeckenden Sankt-Vater-Bieres an. Kurfürst Karl Theodor konnte sich für die Fähigkeiten des neuen Brauers in besonderem Maße begeistern und gestattete dem Kloster ab 1780 den ganzjährigen Bierausschank. Zum Fest des Heiligen Franz von Paola ließ er sich alljährlich den ersten Krug des Bieres kredenzen, dessen Namen der berauschte Volksmund bald zum Salvator verwurstelte.

Der Salvatorausschank am Zacherlkeller auf dem Nockherberg, um 1905.

Lang währte die Bierseligkeit der Paulaner jedoch nicht. 1795 starb Bruder Barnabas gerade einmal 45-jährig und nur vier Jahre später fiel das Kloster der Säkularisierung zum Opfer. Bis 1806 führte Graf Arco von Valley die Brauerei fort, bis 1806 Franz Xaver Zacherl die Brauerei zunächst pachtete und sieben Jahre später erwarb. Dieser vergrößerte die Brauerei, die er 1842 zur ersten Dampfbrauerei Münchens machte. Als erster Brauer beheizte er seine Braukessel mit Dampf statt mit Holz, was kurz darauf in allen Münchner Brauereien üblich wurde.

1861, inzwischen führten Zacherls Neffen Heinrich und Ludwig Schmederer den Betrieb, zog der Brauereiausschank hinauf auf den Nockherberg, wo der Zacherlkeller eröffnet wurde. Dieser erlangte durch den Salvatorausschank und die Salvatorreden, die ab 1891 stattfanden, große Popularität. Von einem Großbrand am 28. November 1999 zerstört, wurde der Zacherlkeller durch einen Neubau von zweifelhaftem Charme ersetzt. Die Brauerei selber verabschiedete sich 2016 aus der Au und zog ihre Produktionsstätte somit zum zweiten Mal in ihrer Geschichte um. Diesmal immerhin nicht wieder vor die Stadtgrenzen.

Der Paulanerbräu

   
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