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Der exportorientierte Löwenbräu war einst der größte Bierproduzent Deutschlands.

„Seit 1383“ heißt es auf dem Etikett der Löwen-Weiße. Hermann Dihm, hatte dieses Gründungsjahr 1922 aus alten Steuerbüchern abgeleitet. Doch bereits seit 1981 ist bekannt, dass es 1383 keine Brauerei an der Stelle gegeben haben kann, an der erst später der Löwenbräu entstand. Dass Dihm bei seiner Recherche mit nicht allzu großer Genauigkeit ein für die Brauerei erfreulich frühes Gründungsjahr fand, mag möglicherweise damit zusammengehangen haben, dass sein Schwiegervater die Brauerei damals leitete.

Das Aquarell von Joseph Puschkin aus dem 19. Jahrhundert zeigt links im gelben Haus die Löwenbrauerei in der Löwengrube.

1982 stellte Helmuth Stahleder in Diensten des Münchner Stadtarchivs fest, dass erst 1524 mit Jörg Schnaitter der erste Brauer in das Haus Nummer 17 in der Löwengrube einzog. Dieser zog zwar 1539 schon wieder um, vermutlich um sich zu vergrößern, doch ist von da an durchgehend eine Brauerei unter dieser Adresse nachweisbar. Der bis heute erhaltene Name der Brauerei taucht jedoch erst im Sudverzeichnis 1746/47 erstmals auf. Die der Brauerei ihren Namen gebende Löwengrube wurde unter dieser Bezeichnung 1640 erstmals erwähnt. Ob die Straße ihren Namen von einem Löwenfresco an einer Hauswand hat oder das Fresco den Straßennamen zitiert, ist jedoch nicht bekannt. Auf den Flaschen des Löwenbräu Urtyps ist übrigens inzwischen „seit 1524“ zu lesen.

Zur Großbrauerei wurde der Löwenbräu erst nach der Übernahme durch Georg Brey, der nach seiner Lehre im Wagnerbräu die Brauerei 1818 übernahm. 1826 ließ er am Unterwiesenfeld zwei große Lagerkeller bauen und erwarb im Jahr darauf die Genehmigung, dort auch Bier brauen zu dürfen. Eine dritte Braustätte kam 1844 durch die Übernahme des benachbarten Filserbräus in der Nymphenburger Straße hinzu. Durch die Transferierung der ursprünglichen Braugerechtigkeit aus dem Stammhaus in der Löwengrube in das neue Brauereigelände am Unterwiesenfeld, wo sich heute der Stiglmaierplatz befindet, konnten ab 1851 alle drei Sudpfannen am gleichen Ort und damit in der ersten Münchner Großbrauerei betrieben werden.

Ab dem Sudjahr 1863/64 war der Löwenbräu mit einem Markanteil von 25% die größte Münchner Brauerei. Diese Stellung behielt sie jedoch nur für wenige Jahre, bis der benachbarte Spatenbräu seine Glanzzeit erlebte. 1872 wandelt der Sohn von Georg Brey, Ludwig, die Brauerei in eine Aktiengesellschaft um und sichert das Wachstum des Unternehmens für die nächsten Jahre. 1883 eröffnet ganz dem Zeitgeist entsprechend ein an das Brauereigelände grenzende Bierpalast, der Löwenbräukeller.

Der Löwenbräukeller am Stiglmaierplatz 1907.

1907 übernahm die Löwenbräu AG den Mathäserbräu, in dem 1918 die Münchner Räterepublik ausgerufen wurde. Zwar wurde der Braubetrieb dort bereits 1915 eingestellt, doch sollte auf dem Gelände ab 1957 das größte Gastronomieprojekt der Brauerei verwirklicht werden. Die Mathäser-Bierstadt konnte in 16 verschiedenen Lokalen 5000 Gäste bewirten. 1996 stellte sie den Betrieb ein und wurde durch ein Multiplexkino ersetzt. Ein Mathäserbier wird seit 2016 wieder hergestellt, allerdings nicht von Löwenbräu.

Der Erste Weltkrieg traf die besonders exportorientierte ehemals größte deutsche Brauerei besonders stark. Deutlich besser erging es dem Haidhauser Unionsbräu. Dieser wuchs nach der Übernahme und Umbenennung der Brauerei zur Schwaige durch Joseph Schülein 1885 unaufhörlich und übernahm 1905 die Münchner-Kindl-Brauerei. 1921 fusionierte Schülein sein Unternehmen mit der angeschlagenen Löwenbräu AG. Als stärkerer der beiden Fusionspartner behielt Schülein die Führung des neuen Konzerns. Aufgrund der Tatsache, dass Löwenbräu die deutlich ältere Marke besaß, wurde dessen Name jedoch beibehalten. Eine heute noch für das Fastenbier verwendete Marke, den Triumphator, wurde allerdings vom Unionsbräu übernommen.

Der Unionsbräu in der Einsteinstraße 1922.

Ebenfalls noch 1921 fusionierte die Löwenbräu AG mit dem Bürgerbräu. Schülein übergab die Brauereidirektion später an seinen Sohn Hermann. Die jüdische Familie Schülein war den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge. Nach Boykottaufrufen des als Judenbiers geschmähten Bräus, wurde Hermann Schülein 1933 entlassen. Während sein Vater auf Schloss Kaltenberg blieb und dort die heute von Prinz Luitpold von Bayern geführte Brauerei führte, konnte Hermann nach Amerika emigrieren und dort mit den Rheingold Breweries noch größeren Erfolg feiern.

Die weitere Geschichte im 20. Jahrhundert wurde wesentlich von den auf die Familie Schülein als Hauptaktionär folgende Familie Finck bestimmt. Nicht zuletzt aufgrund der beiden Weltkriege schaffte es Löwenbräu, trotz einiger Exporterfolge in den 70er- und 80er-Jahren in Amerika, nicht wieder zu alter Stärke, war jedoch als zweitgrößter Immobilienbesitzer Münchens, hinter der Landeshauptstadt selbst, ein hochinteressantes Spekulationsobjekt. Die Unternehmensstruktur wurde nach 1982 mehrfach geändert und der Immobilienbesitz aus der AG herausgelöst.

1997 fusionierte die Löwenbräu AG mit dem benachbarten, früheren Hauptkonkurrenten um die Marktführerschaft zur Spaten-Löwenbräu-Gruppe. Diese wurde 2003 vom belgischen Großkonzern Interbrew übernommen, auf den bereits 2004, durch eine Fusion mit Anheuser-Busch zur größten Brauergruppe der Welt, Ab-Inbev folgte. Die einst größte Brauerei Deutschlands ist heute nur noch eine Regionalmarke im Portfolio eines Weltkonzerns, die von Bremen aus gesteuert wird.

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Der Löwenbräu