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Der Stadtrat hat sich glücklicherweise gegen einen Zaun entschieden. Stichprobenartige Taschenkontrollen sollen dennoch kommen.

Der Stadtrat hat entschieden: Eine Ausweitung der Einzäunung des Oktoberfestes bleibt uns glücklicherweise erspart. Stichprobenartige Taschenkontrollen hingegen nicht.

Seit im April im Rahmen der Vergabe des Auftrags für die Erbringung Sicherheitsdienstleistungen für die Oktoberfeste der Jahre 2016 und 2017 die Sicherheitslage der Wiesn neu beurteilt worden ist, ist viel über Veränderungen des Sicherheitskonzepts diskutiert worden. Durchgängige Zäune um die Wiesn, und Personenkontrollen beim Eintritt auf diese, wurden allen voran von Bürgermeister und Wiesn-Chef Josef Schmid gefordert. Welchem Zweck die neuen Maßnahmen dienen sollten und wieso sie gerade jetzt notwendig sein sollten, wurde dabei großzügig außer Acht gelassen. Erstaunlich lesen sich jedenfalls die in der Sitzungsvorlage des Kommunalausschusses vom 14.04. genannten Gründe für die Neubewertung der Ausgangslage.

„[D]rohende Überfüllung an den besucherstärksten Tagen (Wochenenden, 3. Oktober, siehe hierzu auch Sitzungsvorlage Nr. 14-20 / V 04930, Bekanntgabe des Oktoberfestschlussberichtes im Ausschuss für Arbeit und Wirtschaft am 08.03.2016)“

Gerade nach einem der besucherärmsten Feste in vielen Jahren macht man sich also Gedanken um eine Überfüllung? Entgegen der in der Tagespresse gerne verbreiteten Grundstimmung, es würden jedes Jahr noch mehr Besucher auf das größte Volksfest der Welt stürmen und dieses an den Rand des Kollapses bringen, waren im vergangenen Jahr über eine Million Besucher weniger zugegen als es bei der Rekordwiesn 1985 der Fall war. Überhaupt war man in den letzten 15 Jahren mit einer Ausnahme deutlich von den Rekordzahlen entfernt.

Da außerdem in erster Linie die Wirtsbudenstraße im Auge der Füllstandsbeobachter liegt, stellt sich weiterhin die Frage, wie man mit einer Komplettsperrung des Festgeländes eine Überfüllung ebendieser vermeiden will. Schließlich gibt es, wenn überhaupt, nur dort Probleme mit nicht vorhandenen Evakuierungsflächen. Wir haben deshalb bereits früher vorgeschlagen, stattdessen lieber durch Personaleinsatz und klare Beschilderungen dafür zu sorgen, dass sich keine Menschentrauben mehr vor den Zelten bilden, die den Fluss der Menschenmenge behindern und zu Staus führt.

Selbstverständlich soll an dieser Stelle aber nicht so getan werden, als sei eine effektive Kontrolle hundertausender Festbesucher nicht eine sehr wichtige Aufgabe. Nur die Wahl Mittel hierfür sollte nicht den Aktionisten überlassen werden.

Interessanter, da noch weniger greifbar, sind die anderen aufgeführten Gründe für eine veränderte Ausgangslage im Wortlaut:

  • Gefahr terroristischer Anschläge,
  • Vorkommnisse in der Silvesternacht 2015 in Köln (sexuelle Übergriffe),
  • Sperrung des Hauptbahnhofes und des Pasinger Bahnhofes in München wegen Terrordrohungen,
  • Zunahme von extremen Wetterverhältnissen.

Oder um es etwas zu abstrahieren: Terror, Zuwanderung, Klimawandel. Oberste Angstliga also. „Die Menschen haben irgendwie Angst, also tun wir jetzt halt irgendwas“. Zu erörtern, inwiefern Bauzäune gegen sexuelle Übergriffe oder schlechtes Wetter wirken, muss dabei dann auch gar nicht mehr so wichtig genommen werden.

Dass Terroranschläge selbst mit Sicherheitsschleusen, wie man sie auf Flughafen antrifft, nicht zu verhindern sind, muss als Faktum akzeptiert werden. Dass sich dadurch höchstens der Ort des Anschlags ändern lässt, hat die jüngste Vergangenheit gezeigt. Ob ein Sprengsatz direkt auf dem Festgelände explodiert, oder wie schon 1980 direkt davor, dürfte im Ergebnis unerheblich sein. Eine Detonation inmitten einer vor den Schleusen wartenden und deshalb verdichteten Menschenmenge wäre vermutlich sogar effektiver.

Einen Terroranschlag verhindert man nicht, wenn der Attentäter bereits radikalisiert und die Sprengsätze gebaut sind.

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