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Manch einem Wiesnwirt werden heuer zu wenige Hendl verkauft. Wer seine Gäste am Nachmittag schon auf die Bänke spielen lässt, braucht sich nicht zu wundern.

Die Bedienungen klagen heuer über Umsatzeinbußen. Das tun sie im Vergleich zu den letzten beiden Jahre zurecht, schließlich hat eine Maß Wiesnbier für viele Besucher auch in den letzten Jahren schon einen Zehner gekostet, nur das Trinkgeld ist von Jahr zu Jahr geschmolzen. An einer Maß, die mit einem Zehner gezahlt wird und regulär schon 9,85€ kostet, verdient eine Bedienung heuer nur noch ungefähr 1,10€. Diese Klagen betreffen sowohl die Bedienungen in den reservierten als auch den nichtreservierten Bereichen.

Durch die Ausweitung der reservierungsfreien Bereiche kommt aber eine neue Klage hinzu. Es würde zu wenig Essen verkauft, da die Leute zu lange säßen und zu viele junge Menschen und Touristen die Zelte bevölkerten, nachdem sich Münchner nicht mehr für eine Mittagsreservierung einen Tag freinähmen, weil sie diese Reservierung ja jetzt nicht mehr bekämen. Letztgenanntes Problem wird von Christian Schottenhamel geschildert. Herr Schottenhamel ist also mittags völlig ausreserviert? Dem war die letzten Jahre nicht so und dem ist auch heuer nicht so. Ganz im Gegenteil sind genau dort (wie auch in anderen mittags locker besetzten Zelten) durch die neue Regelung zur Mittagszeit mehr Leute im Zelt als bisher, weil diese sich eben nur im nichtreservierten Bereich niederlassen. Die nach wie vor zahlreichen reservierten Tische werden auch heuer wieder erst mit den Abendreservierungen besetzt. Hinzu kommt noch, dass im Schottenhamel mangels Mittagsreservierungen die Abendreservierungen von Montag bis Donnerstag bereits um 16:00 Uhr, bzw. 16:30 Uhr beginnen, am Freitag bereits um 14:00 Uhr und 16:00 Uhr. Das sind freilich keine Feierabendszeiten. Der Vollständigkeit halber soll erwähnt werden, das auf den Galerien und in bestimmten Boxen dreischichtig reserviert wird.

Dass weniger Essen verkauft wird wenn weniger reserviert wird, liegt schon allein daran, dass ohne Reservierung ein kompletter Wechsel bei den Gästen fehlt. Hierbei gibt es jedoch noch einen weiteren ganz erheblichen Aspekt, dem ich deutlich mehr Einfluss einräume als dem geringeren Gästewechsel. In manchen Zelten ist es im Mittelschiff schlicht und einfach nicht möglich, ein Abendessen zu sich zu nehmen. Wenn die Wirte ihre Kapellen anweisen, um sechs das Fliegerlied zu spielen, damit die Gäste zur Essenszeit auch ja auf den Bänken umeinanderhupfen, dann braucht sich wohl niemand wundern, dass die Essenszeit nicht ihrer eigentlichen Bestimmung gerecht werden kann.

Teilweise nimmt dieses Phänomen geradezu groteske Züge an. Immer wieder ist zu hören, die Kapellen dürften allein schon deswegen nicht immer das gleiche Programm spielen, weil man ja auf das Publikum reagieren müsse. Wenn in einem Zelt, das sein kulinarisches Angebot programmatisch in den Vordergrund rückt, jeden Abend kurz nach Reservierungswechsel, wenn das Speis und Trank gerade die Tische erreicht, Brenna tuats guat gespielt wird, dann frage ich mich, ob ein sitzender Gast vielleicht einfach unerwünscht ist?

Es gibt Zelte, an denen man sich sicher sein kann, dass eine halbwegs würdige Nahrungsaufnahme schlicht und einfach nicht möglich ist, weil zur Essenszeit mit auf Tischen stampfenden Nachbarn zu rechnen ist. Es gibt aber auch Zelte, wo man damit rechnen darf, dass unter der Woche sogar bis acht noch getrost Festnahrung bestellt werden kann. Beeinflusst wird dies im Wesentlichen durch die Musik und diese ist, manch einer müsste jetzt erstaunt sein, tatsächlich steuerbar.

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