2013 und 2014 wurden zwei neue Doppelungen altbekannter Fahrgeschäfte auf dem Oktoberfest eingeführt. An deren Attraktivität kann das nicht liegen.

Das größte Volksfest der Welt elektrisiert die Massen in erster Linie aufgrund seiner erstaunlichen Anzahl an Bierzelten, die sich in erstaunlicher Größe an der Wirtsbudenstraße aneinanderreihen. Die Pracht und Atmosphäre dieser Saisongasthäuser sucht ihres Gleichens und zieht die Bayern nicht umsonst seit Generationen in ihren Bann. Ob der überwältigenden Qualitäten der Wirtsbudenstraße gerät das Geschehen auf ihrer Parallelstraße und im gesamten Schaustellerbereich leider allzu oft unter. Während Missstände in den Festzelten, z.B. zu knapp bemessene oder zu teuer verkaufte Maßen, in der Tagespresse alljährlich umfassend Erwähnung finden, wird über Fahrgeschäfte kaum berichtet.

Da die Entscheider der Stadt München derzeit über den Bewerbungen brüten, die bis zum Jahreswechsel angenommen wurden, würden wir somit gerne einmal das Augenmerk auf die unnötig unattraktive Beschickung der Wiesn lenken. Das vergangene 183. Oktoberfest war in Bezug auf seine Beschickung nämlich ein besonders unattraktives. Aufgrund des alle vier Jahre stattfindenden Zentrallandwirtschaftsfests konnte wie gewohnt nur eine deutlich kleinere Fläche bebaut werden. Dennoch hielt man es bei der Stadt offenbar für notwendig, an den gewohnten Doppelungen festzuhalten. Es wurden also lieber zwei Top Spins, zwei Breakdances und zwei Flipper (Playball) zugelassen, als den Besuchern auch nur eine einzige Neuheit anzubieten.

Die jüngsten dieser Doppelbeschickungen, die der beiden Breakdances und der Flipper, kamen erst 2013, respektive 2014 durch Heirat bzw. Zukauf zustande. In beiden Fällen handelt es sich um Fahrgeschäfttypen, die man bereits seit Mitte der 80er auf den Festplätzen findet. Als Resultat einer Heirat (Breakdance) und eines Zukaufs (Flipper) wurden die Standorte der beiden Altkarussells nach München verlegt, noch dazu in Schaustellerdynastien, die seit Jahrzehnten in München ansässig sind. Die Vergaberichtlinien der Stadt sehen für die dadurch neuerdings gegebene, jahrelange Ortsansässigkeit in München volle Punktzahl in dieser Kategorie vor und hatte eine Zulassung zur Folge.

Eine noch höhere, nämlich doppelt so große Bedeutung als dieser Formalie, kommt im Bewertungskatalog allerdings dem Punkt Anziehungskraft zu. Und hier stellt sich nun die Frage, ob in diesem Punkt das unattraktivere zweier Fahrgeschäfte des gleichen Typs wirklich ausreichend viele Punkte bekommen sollte, dass es für eine Zulassung reicht? Ist nicht davon auszugehen, dass die Anziehungskraft eines Fahrgeschäftes abnimmt, je mehr davon vorhanden sind? Oder würde die Zulassung eines dritten Breakdances tatsächlich dazu führen, dass noch einmal 50% mehr Wiesnbesucher eine Fahrt mit einem solchen ersuchen?

Es darf bezweifelt werden, dass es wirklich im Interesse der Besucher und der Attraktivität des Festplatzes im Ganzen liegt, wenn in München unbekannte, aber attraktive Fahrgeschäfte nicht zugelassen werden, um den bekannten Beschickern ihre Plätze über Jahrzehnte zu garantieren. Eine weitere Doppelung haben wir übrigens in dieser Betrachtung bewusst außen vor gelassen: Dass die Wilde Maus mit beiden spiegelverkehrten Teilen auf der Wiesn steht rechtfertigt sich schlichtweg durch ihre enorme Popularität.

Glücklicherweise ist abzusehen, dass sich wenigstens 2017 die Zulassungstristesse nicht in diesem außergewöhnlichen Rahmen wiederholt, da einige Münchner Großschausteller neue Fahrgeschäfte angekündigt haben. Alexander Goetzke ersetzt seinen Airport durch den noch höheren Jules-Verne-Tower. Mit der Übernahme der XXL-Schaukel Monster, die 2011 auf der Wiesn stand, durch Anja Goetzke könnte dieser Schaukeltyp als XXL Höhenrausch wieder zurückkommen. Außerdem ist zu erwarten, dass Franz Goetzke seine Frisbee durch eine Neuanschaffung ersetzt. Außerdem hat die Familie Agtsch (Freestyle, Amazonas, Cobra) ein neues Fahrgeschäft angekündigt, von dem bislang jedoch nichts zu sehen war.

Und nun, werte Wiesnbewerbungssichter, lasst euch doch bitte noch einmal durch den Kopf gehen, ob zwei baugleiche Fahrgeschäfte wirklich so attraktiv sein können wie zwei unterschiedliche. Es gäbe doch noch so viele schöne zulassbare Schaukeln, Karussels und Achterbahnen, die die Wiesn noch schöner machen könnten.

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