Der Bierpreis ist im Münchner Vergleich in Ordnung? Die Stadt soll sich nicht in marktwirtschaftliche Prozesse einmischen? Unsinn, sagt unser Kommentator.

In der derzeit ausgetragenen Debatte um die Idee des Münchner Bürgermeisters und Wiesnchefs, Josef Schmid, den Wiesnbierpreis für die nächsten drei Oktoberfeste auf 10,70€ zu begrenzen, ist von verschiedenen Seiten zu vernehmen, die Stadt dürfe sich in die Geschäfte der Wiesnwirte nicht einmischen. Zum einen sei die Preisbildung den Geschäftsinhabern zu überlassen, zum anderen sei das Bier im Münchner Nachtleben oft sogar teurer als auf der Wiesn, weshalb die Preise eh nicht zu beanstanden seien. Wenn man Georg Heide, seines Zeichens Wirt der Bräurosl glauben darf, nagen die armen Wiesnwirte sowieso am Hungertuch, weshalb eine Preisgrenze dazu führen müsse, dass man in Zukunft auf Tischdecken verzichtet.

Zunächst einmal würde ich gerne klarstellen, dass ich hiermit keinesfalls die extremen Mehrausgaben der Stadt München als Oktoberfestveranstalter rechtfertigen will, die sie sich letztes Jahr mit der Einführung eines Taschenverbots (manch einer bezeichnet es irreführenderweise auch als Sicherheitskonzept) auferlegt hat. Besser wäre es, das ärgerliche Taschenverbot wieder zurückzunehmen; dann könnte die Stadt nebenbei auch die bisherige Finanzierung des Festes beibehalten. Wenn sie dazu nicht bereit ist, ist es allerdings nur richtig, dass die Mehrausgaben auf der Wiesn selber wieder eingenommen werden und nicht der Steuerzahler für die Sicherstellung der Millionengewinne der Wirte herangezogen wird. Damit die Pachterhöhung nicht bei gleichbleibenden Gewinnen an die Besucher weitergereicht wird, will Sepp Schmid den Bierpreis deckeln.

Der bereits angeführte Vergleich des Wiesnbierpreises mit den überzogenen Preisen in Münchner Bars und Nachtclubs ist aus einem einfachen Grunde falsch: Während die Schröpfung der Nachtclubbesucher gänzlich privat erfolgt, sind die Wiesnwirte Beschicker einer öffentlichen städtischen Veranstaltung, bei der der Veranstalter Sorge zu tragen hat, dass sie einer möglichst breiten Publikumsschicht zugänglich ist.

Wirtesprecher und Hackerzeltwirt Toni Roiderer führt gerne auch die hohen Koste der Wirte ins Feld. Freilich bedeutet der Betrieb eines Wiesnzeltes einen enormen Aufwand, der auf anderen Volksfesten nicht ansatzweise in diesen Dimensionen betrieben wird. Nur wird er auf der Wiesn eben schlicht und einfach auch deswegen betrieben, weil er sich lohnt. Wer die Ausgaben der Wirte in die Diskussion einfließen lassen will, darf auch die Höhe der Einnahmen nicht außenvorlassen. Wie wir seit dem Steuerhinterziehungsprozess von Sepp Krätz wissen, hat dieser mit dem Betrieb des zweitkleinsten großen Wiesnzeltes, des Hippodroms, alljährlich über drei Millionen Euro Gewinn eingestrichen. Auch wer den Wirten für ihre Leistung einen überdurchschnittlichen Lohn zubilligt, wird verstehen, dass es nicht im Interesse des öffentlichen Haushaltes sein kann, diese enormen Gewinne mitzufinanzieren.

Den Wirten, die sich gerne als Könige der Wiesn gerieren und in der Vergangenheit, auch durch ihren Sprecher, mehr als einmal deutlich gemacht haben, dass sie sich für hauptverantwortlich für den Erfolg des größten Volksfestes der Welt sehen, sei an dieser Stelle auch etwas mehr Demut und Respekt vor dem Oktoberfest an sich nahegelegt. Ihre Zelte sind schließlich nicht deshalb alle so gut besucht, weil sie die weltbesten Wirte sind, wegen derer selbst Australier jedes Jahr in Scharen auf die Theresienwiese pilgern.

Die Wirte können nämlich in erster Linie deshalb so effizient wirtschaften und derart hohe Gewinne einfahren, weil Ihnen die Stadt eine über zweihundert Jahre alte Plattform zur Verfügung stellt, samt einer Marke, die auf der ganzen Welt bekannt ist. Wenn die Wirte ihre Gewinne allein ihrer eigenen Leistung zuzuschreiben haben, können sie ja die Standgelder auf der Theresienwiese meiden, indem sie beispielsweise zukünftig auf der Pasinger Wiesn aufbauen.

Nur ist eben allen klar, dass das nicht funktionieren wird. Schmerzlich erfahren musste dies erst kürzlich ein alter Wirtskollege: Sepp Krätz, bzw. offiziell seine Frau, versuchte in den letzten Jahren eine Art Nebenwiesn im Postpalast zu etablieren, wo eine an das Hippodrom angelehnte „Oktoberfest-Party“ gefeiert werden sollte. Der Versuch scheiterte, das Hippodrom im Postpalast hat sich offenbar nicht rentiert und wird heuer nicht fortgeführt. Damit sollte bewiesen sein, dass selbst eine so starke Wiesnmarke wie das Hippodrom, eben nur auf der Wiesn selber wertvoll ist.

Deshalb, werte Wiesnwirte, wenn ihr einmal der Meinung sein solltet, die Stadt München beschneidet eure Einkünfte derart, dass ihr euren lieben Gästen nicht einmal mehr Tischdecken bieten könnt, dann lasst es doch einfach bleiben. Nur während sich die Stadt sicher sein kann, fähigen Ersatz für euch zu finden, werdet ihr ja insgeheim doch wissen, was ihr an der Wiesn als wirtschaftliche Plattform habt.

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